Adolph Kummernuss     

Adolf Ludwig Kummernuss (das "f" wich 1945 dem "ph") erblickte am 23. Juni 1895 mit seinem Zwillingsbruder Georg in Hamburg das Licht der Welt. Zwölf Kinder mußten in der Familie eines Werftarbeiters versorgt werden.

Mit vierzehn Jahren begann für Adje, wie ihn seine Freunde nannten, der Ernst des Berufslebens. Eine Lehre konnten seine Eltern nicht finanzieren. Als Laufbursche und Handelshilfsarbeiter verdiente er zunächst seinen Lebensunterhalt. In dieser Zeit kam er in Kontakt mit der sozialistischen Jugendbewegung und schließlich mit den Gewerkschaften. Im November 1912 trat er dem Deutschen Transportarbeiterverband bei, dem er auch treu blieb, als er später als Gastwirtsgehilfe und Kellner arbeitete.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Begeisterung der Massen "entsetzten" ihn Dennoch mußte auch er im Mai 1915 in den Krieg. Die Erlebnisse. während des Völkermordens machten ihn zum entschiedenen Kriegsgegner.

Zurück in Hamburg konnte er zunächst nur Arbeit als Straßenkehrer finden. Ein Jahr später gelang es ihm, eine Stelle im Hafen zu erhalten. Hier begann seine gewerkschaftliche Karriere als "Türkontrolleur", der vor Versammlungen die Mitgliedsbücher auf Beitragsehrlichkeit prüfte. Im Frühjahr 1920 wählten seine Kollegen den jungen energischen Gewerkschafter zum Vertrauensmann und wenig später zum Betriebsrat. Als ehrenamtliches Mitglied gehörte er dem Vorstand der Ortsverwaltung des Transportarbeiterverbandes an. 1926/27 besuchte er auf Vorschlag seiner Gewerkschaft, dem Deutschen Verkehrsbund, die "Akademie der Arbeit" in Frankfurt am Main. Die dort erworbenen Kenntnisse konnte er anschließend als Angestellter der Hamburger Ortsverwaltung in die tägliche Arbeit einbringen. Bis 1933 betreute er die Hafenarbeiter.

Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazis wurde er entlassen und konnte wie fast alle hauptamtlichen Gewerkschafter keine Arbeit mehr finden. Doch Kummernuss dachte nicht an Resignation, sondern schloß sich dem Widerstand der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) und ihres Generalsekretärs Edo Fimmen an. Die ITF gehörte zu den aktivsten gewerkschaftlichen Gegnern des Faschismus in ganz Europa. In der Folgezeit baute Kummernuss ein illegales Netz von ehemaligen Gewerkschaftern, meist Hafenarbeiter, in Hamburg und Schleswig-Holstein auf. Man hielt den Kontakt unter den Gewerkschaftern aufrecht, sammelte Berichte über die Stimmung in Betrieben und verhalf Verfolgten zur Flucht nach Dänemark. Bei seinen Reisen nach Amsterdam kam Kummernuss mit dem ihm von früher bekannten Bezirksleiter von Stettin, Wilhelm Voß, zusammen, der in Pommern und Ostpreußen eine ähnliche ITF-Gruppe aufgebaut hatte. Zu Ostern 1935 nahmen sie mit Vertretern ihrer Gruppen an einer ITF-Konferenz zur illegalen Arbeit in Deutschland im dänischen Roskilde teil.

Weitere Informationen

Wer an weiteren Informationen über den Lebensweg von Adolph Kummernuss Interesse hat, sei auf die Darstellung im "Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung" verwiesen.

Zwei Passagen aus dem Text wollen wir an dieser Stelle einblenden. Die Bezugspunkte sind "Undeloh" und die "gewerkschaftliche Bildungsarbeit" – jeweils im Zusammenhang entschlossenen politischen Engagements.

"Mit der kampflosen Kapitulation der Gewerkschaften vor dem Nationalsozialismus konnte sich Kummernuss nicht abfinden. Vor einem kleinen Kreis Hamburger Funktionäre des Gesamtverbandes hielt er im Ferienheim Undeloh 1933 die illegale Mairede."

"Innenpolitisch zählte der Kampf gegen die geplanten Notstandsgesetze zu den Schwerpunkten seiner letzten Amtsperiode; aber er setzte auch andere Akzente. So machte er sich für eine konsequente Bildungspolitik stark und warnte vor den möglichen Gefahren unkontrollierter Rationalisierung."

Im Mai/Juni 1935 schlug die Gestapo zu. Im Rahmen einer Aktion gegen die illegale SPD stieß sie durch Zufall auch auf die ITF-Gruppen in Stettin und Berlin und erfuhr von der Konferenz in Roskilde. Nach der Verhaftung von Voß gelang es ihr, dessen Kontakt nach Hamburg aufzudecken. Am 18. Juni wurden Kummernuss und zwei weitere Mitglieder seiner Gruppe verhaftet. In seinen ersten Verhören bewies er Standfestigkeit und verweigerte die Aussage über die anderen Hamburger Teilnehmer. Prügel mit einem Ochsenziemer waren die Folge; doch er schwieg beharrlich. Das Landgericht Stettin verurteilte ihn am 3. September 1936 zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe. Nach seiner Freilassung nahm er sehr vorsichtig wieder Kontakt zu den noch intakten Resten seiner Gruppe auf. Bis Kriegsbeginn hielten sie Verbindung zur ITF.

Nach Kriegsende gehörte Kummernuss zu den Mitbegründern der Hamburger Einheitsgewerkschaft und übernahm die Leitung des "Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der Öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs". Als im Juli 1947 die Gewerkschaft ÖTV für die britische Zone entstand, wurde er neben seinen Funktionen in Hamburg Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes in Krefeld, wo er für internationale Angelegenheiten zuständig war.

Der Vereinigungsverbandstag der Gewerkschaft ÖTV am 28. Januar 1949 in Stuttgart wählte Adolph Kummernuss und Georg Huber zu Vorsitzenden der neuen Organisation.

Nach seinem Ausscheiden zog es ihn zurück in den Norden, nach Travemünde, wo er am 7. August 1979 starb.

Walter Nachtmann



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